DUALIS

DUALIS: Daheim und nicht alleine mit Versorgungssicherheit – Sozial-technischer Betreuungsdienst für alleinstehende und demenzkranke Menschen

Der gewi-Institut für Gesundheitswirtschaft e.V. unterstützt das Projektvorhaben „DUALIS: Daheim und nicht allein mit Versorgungssicherheit – Sozial-technischer Betreuungsdienst für alleinstehende und demenzerkrankte Menschen“ des Hauspflegeverein Solingen e.V. im Zeitrahmen von Januar 2015 bis Dezember 2017 durch fachliche Begleitung der Projektleitung. Das Projekt wird im Fördertyp A – Konzeptentwicklung und Umsetzung von Praxisprojekten – des Modellprogramms zur Weiterentwicklung neuer Wohnformen nach §45f SGB XI vom GKV-Spitzenverband gefördert.

 

Im Alter und insbesondere bei Pflegebedürftigkeit nimmt die außerhäusliche Mobilität ab, vielfach gepaart mit einem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben. Der soziale Rückzug ist oftmals nicht in den gesundheitlichen Einschränkungen begründet, sondern hat vielmehr seine Ursache in ungünstigen äußeren Rahmenbedingungen. Diese ungünstigen äußeren Rahmenbedingungen bestehen aus vielen und teilweise gravierenden Barrieren im sozialen Nahraum: der Wohnraum und das –umfeld sind nicht barrierefrei, der öffentliche Nahverkehr ist unzureichend, die wohnortnahe Versorgung ist eingeschränkt und es fehlen soziale Treffpunkte. Wenn dann noch die familiären Bindungen brüchig oder aufgrund räumlicher Entfernungen nur sporadisch sind, dann geht Lebensqualität im Alter verloren.

Um älteren pflegebedürftigen Menschen den Verbleib in der eigenen vertrauten Häuslichkeit besser abzusichern, hat der Hauspflegeverein Solingen e.V. das Projekt DUALIS entwickelt. Ein zentrales Ziel des Projektes war der Aufbau eines sozial-technischen Betreuungsdiensts im Erprobungsraum, der Siedlung Unnersberg in Solingen. Das Angebot versteht sich als Ergänzung zur pflegerischen und hauswirtschaftlichen Versorgung und soll insbesondere Pflegebedürftigen, die zurückgezogen leben aber mehr am sozialen Leben teilhaben möchten, in die Gemeinschaft integrieren. Auch sollen ältere Menschen, die in schwierige Lebenslagen geraten sind, frühzeitiger identifiziert und aufgefangen werden. DUALIS leistet in diesem Sinne einen wichtigen präventiven Beitrag und hilft älteren Menschen aktiv zu bleiben und an sozialen Aktivitäten teilzuhaben. Weitere Projektziele waren die Verbesserung der Versorgungssicherheit in der eigenen Häuslichkeit und im Quartier, die Förderung der Selbstbestimmtheit und der Aktivierung der Selbsthilfepotentiale durch Stärkung des nachbarschaftlichen Netzwerkes.

Der GKV-Spitzenverband hat im Rahmen des Modellprogramms zur „Weiterentwicklung neuer Wohnformen nach § 45f SGB XI“ das Projekt gefördert (Februar 2015 bis Januar 2018). Kooperationspartner waren die Stadt Solingen, die Spar- und Bauverein Solingen eG, das gewi Institut für Gesundheitswirtschaft e.V. in Köln und das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung in Duisburg.

Nachbarschaftsfest Unnersberg

Ein wesentlicher Gelingensfaktor zur Erreichung der Projektziele war das Verständnis für die Lebenssituation und die Bedarfslagen älterer unterstützungsbedürftiger Menschen. Deren Lebensqualität steht in unmittelbarer Wechselwirkung mit dem Versorgungsangebot im Nahraum und den Möglichkeiten zur sozialen Teilhabe. Um die konkrete Bedarfslage und die Versorgungssituation zu ermitteln wurden u.a. eine schriftliche Befragung zum Wohlbefinden und den Lebenslagen im Alter durchgeführt. Ergänzt wurde diese Befragung durch zahlreiche Interviews zum Thema „Wie sieht für Sie gutes Leben im Alter aus, auch trotz eventueller Unterstützungsbedarfe?“ Auf Basis dieser Bedarfsermittlung konnten mit den Bürger/innen am Unnersberg passgenaue Maßnahmen umgesetzt werden:

  1. Pflegeberatung im Quartier: Beratungsangebot zur Versorgungssicherheit unterstützungsbedürftiger Menschen.
  2. Siedlungsspaziergang am Unnersberg: Mobilitätsangebot insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen.
  3. Kaffeeklatsch am Unnersberg: offenes Gruppenangebot zur Förderung der Geselligkeit und besseren Vernetzung in der Nachbarschaft.
  4. Gesprächskreis pflegender Angehöriger: Gruppenangebot zur Stärkung und Unterstützung pflegender Angehöriger.
  5. Nachbarschaftsfest am Unnersberg: jährliches Straßenfest mit Live-Musik zur besseren Vernetzung der Generationen vor Ort.
  6. Behindertenparkplatz- und Geschwindigkeitskontrollen im Erprobungsraum als Beitrag zur Verbesserung des Sicherheitsempfindens der Anwohner.
  7. Verhandlungen mit dem örtlichen REWE zur Errichtung eines niederschwelligen Lieferdienstes als Betrag zur Versorgungssicherheit unterstützungsbedürftiger Menschen.
  8. Installation zweier Sitzbänke zur Förderung der persönlichen Mobilität. Die jeweiligen Standorte wurden im Rahmen einer Bürgerbeteiligung durch die Anwohner bestimmt.
  9. Entwicklung einer neuen IT-Tabletanwendung für den sozial-technischen Betreuungsdienst, in Kooperation mit dem Start Up m.Doc.one. in Köln
  10. Konzeption eines sozial-technischen Betreuungsdienstes und Ausbildung der Freiwilligenhelfer zu Techniklotsen.

Der sozial-technische Betreuungsdienst erleichtert insbesondere pflegebedürftigen Menschen die Teilnahme an sozialen Aktivitäten, indem er die Quartiersarbeit und wohnortnahe Betreuungsangebote ergänzt um eine virtuelle Quartiersplattform, die über eine nutzergerechte Benutzeroberfläche auf einem Tablet dargestellt wird. In diesem Zusammenspiel werden soziale Beziehungen neu gestaltet und erweitert. Ein auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtetes Informationsangebot verbessert zudem die Versorgungssicherheit im Quartier. Die Quartierplattform stellt wie ein individuelles Navigationsgerät Orientierung und Transparenz über die Aktivitäten im Quartier bzw. Wohnumfeld her. Sie stellt Nachrichten aus dem Quartier, Veranstaltungen und Akteure im und für das Quartier dar und behandelt Themen wie Versorgungsangebote, bürgerschaftliches Engagement und soziales Miteinander im Quartier.

Das Konzept sieht ein ehrenamtliches Redaktionsteams vor, das die virtuelle Quartiersplattform betreut, um die Informationen und Inhalte individuell sowie aktuell darzustellen. Die technisch interessierten und versierten Personen sind als Redaktionsteam aber auch Teil der Betreuungsgruppe. Sie nehmen die Themen der Betreuungsgruppe auf, die auf der virtuellen Quartiersplattform dargestellt werden sollen und helfen als Techniklotsen den Nutzern das Tablett anzuwenden. So ist zum einen die Aktualität der Quartiersplattform sichergestellt und die älteren pflegebedürftigen Nutzer haben mit den Techniklotsen einen kompetenten Ansprechpartner.

Ein(e) Quartiersmanager*In organisiert und moderiert die einzelnen Module des sozial-technischen Betreuungsdienstes. Er/sie kennt das Quartier und die dort lebenden Menschen, vernetzt die Anbieter, ist für die Betreuungsgruppe zuständig und unterstützt das ehrenamtliche Redaktionsteam. So wird sichergestellt, dass die Technik nur Mittel zum Zweck ist, d.h. die Förderung der persönlichen sozialen Beziehungen steht im Vordergrund und die Technik ergänzt sowie erweitert die Möglichkeiten soziale Beziehungen zu pflegen. Unter konstanter Einbindung der Betreuungsnehmer des sozial-technischen Betreuungsdienstes und den Techniklotsen wird die Tablet-Anwendung in einem Living Lab Ansatz über die Projektlaufzeit hinaus stetig weiterentwickelt, um die Produktnachhaltigkeit sicherzustellen.

 

 

 

 

 

Ansprechpartner:
Tassilo Mesenhöller
Projektleitung
Telefon: 0212/20645-19 oder 0152/295 10 109
Mail: t.mesenhoeller(at)hauspflegeverein-solingen.de

Alexandra Tkatschenko
Projektkoordination
Telefon: 0212/20645-19 oder 0152/295 10 109
Mail: a.tkatschenko(at)hauspflegeverein-solingen.de

 

Hauspflegeverein Solingen e.V.
Focher Straße 158
42719 Solingen
Telefon: 0212 / 20645-0

 

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.hauspflegeverein-solingen.de